Es gibt Orte, die sich nach zuhause anfühlen, selbst wenn man noch nie dort war. Einer dieser Orte ist das Hotel Post in Bezau, in fünfter Generation geführt von Susanne Kaufmann, Unternehmerin und Gründerin der gleichnamigen, international erfolgreichen Naturkosmetikmarke. An ihrer Seite: Geschäftsführerin Stephanie Rist, die das Haus seit jungen Jahren mitprägt. Bei einer Tasse Tee sprechen die beiden über Vertrauen, Verantwortung – und darüber, warum wahrer Luxus heute leiser geworden ist.

FACES: Wer die Post betritt, fühlt sich augenblicklich willkommen. Woran liegt dieses Gefühl eurer Meinung nach?
Stephanie Rist: Ich bin überzeugt, dass es energetische Orte gibt – Plätze, an denen man sich sofort wohl fühlt, oder eben nicht. Das ist Instinkt. Und gleichzeitig hören wir von unseren Gästen immer wieder, dass sie das Gefühl haben, hier wirklich anzukommen, fast wie heimkommen. Das hat natürlich mit der Architektur zu tun, die Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt. Vor allem aber liegt es an den Menschen. An den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diesem Haus Energie geben, die präsent sind und eine echte Verbindung schaffen. Viele von ihnen sehen die Post nicht nur als Arbeitsplatz, sondern als Ort, mit dem sie sich tief verbunden fühlen – und genau das spüren auch unsere Gäste.Susanne Kaufmann: Einen Unterschied macht sicher auch das tägliche Räuchern.
Stephanie Rist: Heute Morgen war es Salbei.
Susanne Kaufmann: In ein Haus wie unseres kommen jeden Tag viele unterschiedliche Menschen, die ganz unterschiedliche Energien mitbringen. Das tägliche Räuchern ist für uns eine Art Reset. Ein bewusstes Klären, das viel zum Wohlgefühl beiträgt.
F: Susanne, das Hotel ist sehr eng mit deiner Familiengeschichte verwoben, du führst es heute in fünfter Generation. Eine solche Historie ist ein großes Privileg, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Wie gelingt es, Tradition in die Zukunft zu tragen – und dabei die eigene Handschrift zu bewahren?
SK: Ich habe mit 24 Jahren hier im Hotel begonnen – voller Energie und mit dem Gefühl, unendlich viel Zeit vor mir zu haben. In den ersten Jahren ging es stark um Erneuerung, Umbau, um mutige Entscheidungen. Ich bin viele Risiken eingegangen.
Die Pandemie war zuletzt ein sehr einschneidender Moment. Ein Unternehmen zusperren zu müssen, wenn auch nur auf Zeit, das tut im Herzen weh. Heute, mit Mitte 50, stelle ich mir andere Fragen als noch vor 25 Jahren. Die unbefangene Jugendlichkeit ist neuen Themen gewichen: Wer trägt diese Vision in die Zukunft weiter? Wie bleibt ein Haus lebendig?
Mit Stephanie habe ich eine großartige Partnerin gefunden. Und gleichzeitig sehe ich mich selbst noch lange als Teil dieses Unternehmens.

F: Ihr arbeitet seit vielen Jahren eng zusammen. Stephanie, du bist mit 16 ins Unternehmen gekommen. Erinnerst du dich an euer erstes Zusammentreffen?
SR: Sehr gut sogar. Ich habe mich als Kosmetik-Lehrling beworben. Susanne stand damals in jenem Glaszubau rechts vom Hoteleingang, der heute mein Büro ist, und hat mich gefragt: „Hi, wer bist denn du?“ Ich meinte: „Ich bin Stephie und bewerbe mich als Kosmetik-Lehrling.“ Sie hat mir viel Glück gewünscht – und der Rest ist mittlerweile 18-jährige Geschichte.
F: In der Post bekommen Menschen offensichtlich viel Raum, sich zu entwickeln. Stephanie, du bist als Lehrling gestartet und heute Geschäftsführerin. Gestern durften wir Jan kennenlernen, der als Koch begonnen hat und heute als Health Concierge tätig ist. Karriere verläuft hier nicht linear, sondern individuell.
SK: Ich schubse Menschen manchmal bewusst ein bisschen ins kalte Wasser – vor allem dann, wenn ich Potenzial und Motivation sehe. Ich bin überzeugt, dass man alles schaffen kann, wenn man es wirklich möchte. Und dass Führungsaufgabe vor allem auch darin besteht, Menschen Sicherheit zu geben, den Raum, sich auszuprobieren, Fehler zu machen – und daran zu wachsen.
SR: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern – und stellenweise auch zu fordern – ist uns extrem wichtig. Ich glaube fest daran, dass sich das in der Haltung widerspiegelt, mit der Menschen zur Arbeit kommen. Begeisterung ist nichts, das sich einfordern lässt. Sie muss wachsen.


F: Apropos Begeisterung: Viele Menschen hinterfragen aktuell ihren Konsum neu. Klassische Statussymbole verlieren an Bedeutung, Gesundheit, Longevity und Selfcare kommt eine neue Bedeutung zu. Beobachtet ihr diesen Wandel ebenfalls?
SR: Absolut. Die Pandemie war hier ein Katalysator. Longevity ist zum Megatrend geworden – das zeigt sich auch in Zahlen. 2020 hat uns allen vor Augen geführt: Egal, wie viel man besitzt, was wirklich von Wert ist, ist unsere Gesundheit. Körperlich und mental.
SK: Das sehe ich besonders bei jungen Menschen. Viele von ihnen konsumieren heute bewusster. Sie leben bewusster, investieren bewusster – und hinterfragen mehr. Selbst meine Neffen haben inzwischen Gua Sha Steine und zelebrieren abends ihr Skincare-Ritual mit unseren Produkten. Gleichzeitig glaube ich, dass sich vieles in Wellen bewegt. Longevity ist kein neues Konzept – wir haben es nur neu benannt. Jede Vorsorgeuntersuchung, jede Kur hatte schon immer das Ziel, gesundheitserhaltend zu wirken.
Was mich aktuell stark beschäftigt: Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr von uns selbst und von der Natur entfernt. Aktuell beobachte ich einen Gegentrend, der mich auch kritisch stimmt: Schlaf messen, Ernährung optimieren, Sport tracken – all das bringt uns nicht automatisch näher zu uns selbst.
F: Wenn wir über bewussten Konsum sprechen, den du gerade angesprochen hast, dann lässt sich der Diskurs nicht ohne die Begriffe Transparenz und Glaubwürdigkeit führen…
SK: Absolut, Marketingversprechen alleine reichen heute nicht mehr. Vor allem in der Kosmetik zeigt sich das sehr deutlich. Vor 20 Jahren hat es gereicht zu sagen: Diese Creme hilft bei trockener Haut. Heute braucht es Studien, Belege, Transparenz.
Im Hotel ist es anders. Hier geht es stärker ums Spüren. Der Gast muss selbst wahrnehmen, was ihm guttut.
SR: Und dabei glauben wir stark an den Faktor Mensch. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind echte ExpertInnen – das ist unser größtes Kapital.


F: Unser Gespräch zeigt deutlich, wie stark sich der Begriff Luxus im Wandel befindet. Was bedeutet er für euch persönlich?
SK: Luxus ist für mich Zeit. Zeit für Dinge, die mir guttun; Zeit mit Menschen, die mir guttun. Zeit an einem schönen Ort. Meine drei größten Luxusgüter sind gute Luft, frisches Wasser aus der Leitung und nicht jeden Tag in einem Transportmittel sitzen zu müssen.
Ich bin viel auf Reisen, liebe Städte wie London und Paris – und gleichzeitig bin ich zutiefst dankbar für meine Heimat hier in Bezau, für die Ruhe und die Einfachheit meines Lebens.
SR: Für mich sind Familie und Gesundheit zentraler Luxus. Aber auch jeden Tag mit Menschen arbeiten zu dürfen, die mich inspirieren. Luxus ist für mich Entwicklung: wachsen zu dürfen, Visionen zu leben. Dass mir die Post diesen Raum gibt, ist alles andere als selbstverständlich.
F: Ein Aufenthalt in der Post wirkt wie eine Erinnerung daran, das Tempo des Alltags zu reduzieren und wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen…
SK: Genau das ist unser Anspruch, vor allem mit unserem Detox-Retreat. Wir wollen Menschen nicht zwei Wochen aus dem Alltag herauslösen, ihnen alles wegnehmen und sie dann im Kern unverändert wieder nach Hause schicken. Unser Ziel sind kleine, nachhaltige Impulse für den Alltag. Echte Veränderung passiert Schritt für Schritt – alles andere führt meist zu Überforderung.
SR: Meiner Meinung nach haben wir durchApps und Tracking-Tools fast verlernt, auf uns selbst zu hören. Unsere Wege bestimmt das Navi. Unsere Schritte werden gezählt, unsere Kalorien getrackt und festgehalten. Unser Ziel ist es, Menschen wieder zu lehren, die Signale ihres eigenen Körpers wahrzunehmen: Was tut mir gut? Wann habe ich genug? Was braucht mein Körper – und was mein Geist?

F: Das bringt uns zur letzten Frage: Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir alle wieder in engerem Austausch mit uns selbst und der Natur stünden?
SK: Ich glaube, das hätte enorme Auswirkungen auf unser Miteinander. Wir bewegen uns stark in Richtung einer Ich-Gesellschaft – dabei basiert jedes funktionierende System auf Gemeinschaft. Eine stärkere Verbindung zu uns selbst würde automatisch auch zu mehr Verantwortung füreinander führen. Und es wäre ohne Zweifel besser für unseren Planeten. Ich glaube, uns ist gar nicht bewusst, wie viel Energie wir tagtäglich verschwenden. Veränderung bedeutet damit auch, sich bewusst aus der digitalen Dauerschleife zurückzuziehen.
SR: Absolut. Um auf das Thema mentale Gesundheit zurückzukommen: Der ständige Vergleich, vor allem über Social Media, erzeugt enormen Druck. Wir verlieren dabei leicht das Gefühl dafür, wer wir eigentlich sind und was wir wirklich brauchen. Wieder bei sich anzukommen, sich selbst zu spüren, ist kein Luxus – es ist für mich eine Notwendigkeit. Genau dort beginnt ein anderes Miteinander: leiser, achtsamer und wieder menschlicher.
Post Bezau
Das Hotel Post Bezau zählt zu den Pionieren für Retreat- und Wellbeing-Konzepte im alpinen Raum. Seit über 175 Jahren und heute in fünfter Generation familiengeführt, verbindet das Haus die Tiefe seiner Geschichte mit einem zeitgemäßen Verständnis von Gesundheit, Regeneration und bewusstem Luxus. Als Zuhause von Susanne Kaufmann ist das Hotel eng mit ihrer persönlichen Philosophie verwoben: einem ganzheitlichen Ansatz, der alpine Natur, wissenschaftlich fundierte Wirksamkeit und innere Balance in den Mittelpunkt stellt. Eingebettet in die stille Landschaft des Bregenzerwaldes entsteht so ein Ort, der nicht laut überzeugen will, sondern über Atmosphäre, Substanz und Haltung wirkt.
Im Zentrum des Konzepts stehen präzise entwickelte Retreat-Programme. Sie basieren auf vier Säulen: erholsamer Schlaf, bewusste Ernährung, wirkungsorientierte Bewegung und regenerierende Spa-Anwendungen mit Produkten von Susanne Kaufmann. Das hauseigene Spa bündelt über 25 Jahre Expertise in Hautgesundheit und TCM-inspirierten Treatments und bildet den Ursprung der international erfolgreichen Naturkosmetikmarke.
Wo es uns nebst dem Hotel Post Bezau sonst noch hinzieht, liest du hier.
Erholung dringend nötig? Hier buchst du dir deinen Aufenthalt im Hotel Post Bezau.
Fotos: © Hotel Pst





