Für die Herbst/Winter 2026/27 Saison braucht Outerwear Platz. Richtig. Viel. Platz. Bei Loewe und Louis Vuitton nehmen Mäntel in Volumen üppig zu. Cropped Jackets sind zurück, während Shearling — gesehen bei Ulla Johnson und Diesel — Textur und Wärme bringt. Bei Dior und Valentino wird Leder durch ausufernde Fellbesätze weicher gemacht.
Layering explodiert bei Rabanne und Acne — praktisch, expressiv und genau kalkuliert. Schals sind grosszügig proportioniert, weil Grösse eben zählt. Velvet kommt zurück und an Peplum führt kein Weg vorbei.
Isabel Marant bringt Vielseitigkeit durch reversible Pieces. Und dann ist da die blaue Farbpalette — im Gegensatz zu Verantwortung kann man davor nicht einfach weglaufen. Hermès spielt ironisch mit funktionalen Taschen und zeigt damit: Details sind Ausdruck, nicht nur Funktion.
Zusammengefasst zeigen die Kollektionen ein neues Bewusstsein für die Realität des Winters, in dem Schutz vor den Elementen und persönlicher Ausdruck nicht mehr getrennt gedacht werden.
Hier unsere 13 Top Trends, die den Herbst /Winter 2026/27 prägen werden:
1. XXL Coat

Oversized, skulpturale Mäntel dominierten die Runways in dieser Saison. Volumen ersetzt Proportion, Outerwear wird zum Look. Diese Mäntel sind schon da, auch wenn du zehn Minuten zu spät bist. Und ja, du musst vielleicht seitwärts durch die Tür.

2. Cropped Jackets

Kommt da noch mehr? Nein. Wir lieben halbe Sachen. Die Runways waren besessen von Cropped Jackets, ob aus Leder, Tweed oder Denim. Bei Isabel Marant wird eine Denim-Jacke wendbar und verwandelt sich in rotes gestepptes Satin.

3. Wrap-Up

Capes, Cocoon Coats und skulpturales Draping: Das ist Konstruktion. Gewickelte, gefaltete, durchdachte Silhouetten bauen Volumen mit bewusst exzentrischem Charakter auf.

4. Shearling Mood

Wenn es aussieht wie ein Schaf und riecht wie ein SChaf, ist es wahrscheinlich eins. Aber in diesem Fall ein sehr schickes totes Schaf. Shearling zeigt seine weichere Seite: subtile Farben, Wärme, Leichtigkeit, Luxus.

5. Leather & Fur Trims

Luxusleder und komplett überdimensionierte Fellbesätze in einem Look, Subtilität spielt hier keine Rolle. Wenn das dein Vibe ist, lerne besser schnell, wie man an der Bar Louis Roederer richtig ausspricht.

6. Velvet

Samt kommt unapologetisch zurück für die Herbst/Winter 2026/27 Saison. Reich, kontrolliert und unmöglich zu ignorieren. Drapiert, skulptiert und körpernah geschnitten erzeugt es Tiefe, Bewegung und subtile Verführung, ganz ohne Accessoires. Samt hat seine eigene Aura. Das ist der Stoff, der dir Cartier bringt, anstatt Victoria’s Secret.

7. Peplum

Peplum versucht seit Saisons zurückzukommen wie ein unerwünschter betrügender Ex. Diesmal gibt es sich aber mehr Mühe. Verschoben, off-centre, in Jacken und hybride Silhouetten eingebaut. Nicht die höfliche viktorianische Version — weniger vorhersehbar, disruptiver, aber trotzdem geschmackvoll.

8. Extended Sleeves

Ärmel hören diese Saison einfach nicht da auf, wo sie sollten. Absichtlich verlängert, schleifend, eintauchend und komplett committed zur Unpraktikabilität

9. Creative Layering

Was ist das?! Was passiert hier? Layering ohne Regeln?! Hemden über Strick, Röcke über Hosen, alles gleichzeitig. Wenn es nicht ein Chamäleon in die Identitätskrise stürzt, hast du es falsch gemacht.

10. Sporty Mix

„Ich wollte eigentlich ins Gym… aber dann doch nicht.“ Everyday Pieces kombiniert mit sportlichen Elementen: volle Intention, null Umsetzung. Aufwand angedeutet, nie geliefert. Wir fühlen uns persönlich attackiert.

11. Photoprint

Hold my Espresso Martini — wir brauchen einen Rock mit dem Gesicht von jemand anderem drauf. Photo Prints werden skaliert, platziert und in die Kleidung integriert und versuchen sehr, sehr hart — oh so very hard — den Galliano Dior Newsprint Moment zu erreichen.

12. XXL Scarf

Der Größenwahn steht uns bis zum Hals. Für die Herbst/Winter 2026/27 Saison braucht der Schal fast schon eine eigene Postleitzahl.

Farbprognose:
13. Blau

Nichts Subtiles hier: Auffälliges Blau kommt genau zur richtigen Zeit, nachdem der Carolyn-Bessette-Kennedy-Effekt uns kurzzeitig zurück zu Beige, Schwarz und Haarreifen getrieben hat.

Und der definitive Schuh für Herbst/Winter 2026/27
Onitsuka Tiger setzt einen Absatz auf den ikonischen Mexico 66, ein Kitten-Heel-Hybrid zwischen Sneaker und Slingback. Fashion InsiderInnen sind begeistert. PuristInnen eher nicht.

Die Herbst/Winter 2026/27 Kollektionen erinnern uns an etwas Einfaches, Ehrliches: Warm zu bleiben und sich vor den Elementen zu schützen ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Zu viele Saisons lang haben DesignerInnen das ignoriert und Kollektionen gezeigt, die schön und kreativ waren. Aber auch selten über den Runway hinaus gedacht. Für alle, die Mode priorisieren, ist das ein echtes Dilemma.
Diese Saison ist die Kunst, Emotion und Essenz von Mode nicht verloren gegangen. Doch sie wirkt bewusster. Darunter gibt es immer noch Übertreibung, Ironie und gelegentliche Dekadenz. Die Trends sind lebendig, voller Energie und trotzdem cosy. Sie zeigen, dass Mode unterhalten, provozieren und performen kann, während sie gleichzeitig den grundlegenden Zweck von Kleidung erfüllt.
Teaser & Fotos: © Launchmetrics SpotlightSM





